Quick Wins in 30 Tagen: 5 Automationen, die sofort Zeit sparen (ohne Großprojekt)

Der Jahresstart ist der beste Zeitpunkt, um nicht wieder in den alten Modus zu fallen: Statusfragen, manuelle Übergaben, doppelte Pflege und unklare Verantwortlichkeiten. Viele Unternehmen denken bei Prozessdigitalisierung sofort an grosse Projekte. In der Praxis entstehen die schnellsten Effekte aber oft durch kleine, robuste Automationen entlang eines klaren Kernprozesses.

Kurzfassung

Mit 5 gezielten Automationen lassen sich innerhalb von 30 Tagen messbar Zeit sparen: weniger manuelle Übergaben, klarere Verantwortlichkeiten und stabilere Daten. Entscheidend ist eine saubere Eingrenzung (ein Prozess, ein Ziel), klare Regeln (Quelle der Wahrheit, Akzeptanzkriterien) und ein schlanker Umsetzungsrhythmus mit Demos.

In 60 Sekunden

  • Quelle der Wahrheit festlegen (ERP/CRM/DMS/Portal je Datenobjekt)
  • Eindeutige IDs + Mapping gegen Duplikate definieren
  • Fehlerfälle planen: Retries, Fehlerliste, Reprocessing
  • Betrieb absichern: Monitoring, Alerts, Logs
  • Schrittweise umsetzen: erst ein Kernprozess stabil live, dann ausbauen

Warum Quick Wins oft besser funktionieren als Großprojekte

Quick Wins sind kein Basteln. Richtig umgesetzt sind sie der schnellste Weg zu Stabilität und Momentum: Ein kleiner Baustein geht produktionsreif live, wird im Alltag genutzt und reduziert sofort manuellen Aufwand. Danach wird der nächste Engpass adressiert. So entsteht Schritt für Schritt eine durchgängige Prozesskette, ohne dass ein gesamtes Programmprojekt gestartet werden muss.

  • Geringeres Risiko: kleiner Scope, klare Akzeptanzkriterien.
  • Schneller Nutzen: Effekte werden im Alltag sichtbar und messbar.
  • Bessere Priorisierung: erst die Engpässe mit dem grässten Hebel.
  • Saubere Basis: Datenhoheit, Monitoring und Ownership werden von Anfang an mitgedacht.

Die 5 Quick-Win Automationen (praxisnah)

Die folgenden Beispiele sind bewusst allgemein gehalten, damit sie in vielen Systemlandschaften funktionieren (ERP/CRM/DMS/Groupware/Portale). Wichtig ist nicht das Tool, sondern das Muster: Trigger, klare Regeln und ein stabiler Rückkanal.

1) Lead-to-Project: Von Anfrage zu sauberem Projektstart

Ziel: Anfragen gehen nicht verloren, Status ist transparent, und der Projektstart ist immer gleich strukturiert.

  • Trigger: Kontaktformular/Terminbuchung/Inbound-Mail wird erfasst.
  • Aktion: automatisches Anlegen eines Vorgangs (Lead/Opportunity/Projekt) inkl. Verantwortlichem und Pflichtfeldern.
  • Rückmeldung: automatische Bestätigung und nächste Schritte (inkl. Link zum Status oder Termin).
  • Ergebnis: weniger Nachfragen, klare Verantwortlichkeit, weniger Chaos beim Start.

Typische KPIs: Zeit bis Erstreaktion, Quote vollständige Datensätze, Conversion von Anfrage zu Termin.

2) Freigaben automatisieren: Angebote, Inhalte, Dokumente

Ziel: Freigaben passieren nachvollziehbar, ohne dass Versionen in Mail-Anhängen verschwinden.

  • Trigger: Dokument/Angebot wird als ‚zur Freigabe‘ markiert.
  • Aktion: automatische Zuweisung an die richtige Person (Rolle), mit Frist und Reminder.
  • Rückmeldung: Freigabe oder Änderungswunsch landet als Task/Kommentar im Vorgang.
  • Ergebnis: weniger Schleifen, klare Versionen, weniger Missverständnisse.

Typische KPIs: Durchlaufzeit Freigabe, Anzahl Schleifen, Quote fristgerecht.

3) Dokumente sauber ablegen: DMS-Struktur und Metadaten automatisch

Ziel: Dokumente sind auffindbar und korrekt zugeordnet (Kunde, Projekt, Vorgang) – ohne manuelles Sortieren.

  • Trigger: neuer Auftrag/Projekt oder neuer Dokumenttyp entsteht (z. B. Vertrag, Rechnung, Protokoll).
  • Aktion: automatisch Ordnerstruktur und Metadaten anlegen (Kunde, Projekt-ID, Status, Datum).
  • Rückmeldung: Link zum Dokument wird im Vorgang gespeichert (Single Source of Truth).
  • Ergebnis: weniger Suchaufwand, weniger Ablagefehler, bessere Nachvollziehbarkeit.

Typische KPIs: Suchzeit, Quote korrekt abgelegt, Rückfragen zu Dokumenten.

4) Status-Sync zwischen Systemen: eine Quelle, keine Doppelpflege

Ziel: Status wird einmal gesetzt und ist dort sichtbar, wo er gebraucht wird (Vertrieb, Operations, Abrechnung).

  • Trigger: Status ändert sich im führenden System (Quelle der Wahrheit).
  • Aktion: Update in den abhängigen Systemen (oder Event in eine Integrationsschicht).
  • Fehlerfälle: Retries, Fehlerliste, keine Duplikate (Idempotenz).
  • Ergebnis: weniger Abgleich, weniger Fehler, weniger interne Nachfragen.

Typische KPIs: Anzahl Status-Nachfragen, Inkonsistenzen, manuelle Korrekturen.

5) Reporting ohne Copy/Paste: KPI-Dashboard aus echten Prozessdaten

Ziel: Steuerung auf Basis aktueller Daten – ohne wöchentliche Excel-Zusammenkopiererei.

  • Trigger: Daten entstehen im Prozess (Auftrag, Status, Zeit, Fehler, Rückfragen).
  • Aktion: automatisches Aggregieren in ein einfaches Dashboard oder Reporting-View.
  • Rückmeldung: regelmässige, automatische Zusammenfassung (z. B. wöchentlich) an Owner.
  • Ergebnis: Transparenz, bessere Entscheidungen, klare Priorisierung fuer Optimierungen.

Typische KPIs: Durchlaufzeiten, Engpässe, Fehlerquote, Auslastung, Time-to-Value.

30-Tage-Plan: So werden die Quick Wins planbar

Damit Quick Wins nicht zu ‚ein bisschen Automatisierung‘ werden, braucht es einen kleinen, sauberen Umsetzungsrahmen.

Ein bewährter Ablauf:

Woche 1: Quick Check und Scope

  • Einen Kernprozess auswählen (Impact hoch, Scope klein).
  • Datenhoheit pro Objekt festlegen (Quelle der Wahrheit).
  • Akzeptanzkriterien definieren: Was muss am Ende funktionieren?
  • Risiken/Abhängigkeiten sichtbar machen (Zugänge, APIs, Rollen).

Woche 2-3: Umsetzung in Timebox

  • Automation 1 live bringen (produktivreif, nicht nur ‚Demo‘).
  • Fehlerhandling und Monitoring von Anfang an einbauen.
  • Demo und Feedback: was funktioniert im Alltag, was fehlt wirklich?

Woche 4: Stabilisieren und naechster Baustein

  • Kinderkrankheiten beheben, Logging/Alerts nachschärfen.
  • Dokumentation minimal aber sauber (Owner, Regeln, Datenhoheit).
  • Automation 2 starten oder den Prozess um den nächsten Engpass erweitern.

FAQ

Nicht zwingend. Oft lassen sich Quick Wins in der bestehenden Systemlandschaft umsetzen. Entscheidend ist die klare Prozesslogik und robuste Integration – nicht ein neuer Tool-Stack.

Fachbereiche müssen den Prozess kennen und Entscheidungen zu Datenhoheit und Regeln treffen. Die technische Umsetzung kann schlank erfolgen, wenn Scope und Akzeptanzkriterien klar sind.

Indem Betrieb und Robustheit mitgedacht werden: Fehlerliste, Retries, Idempotenz, Monitoring und klare Ownership. Dann sind Quick Wins stabile Bausteine – keine Einzellösungen.
Viele Effekte sind innerhalb von 1-2 Wochen sichtbar (weniger Nachfragen, weniger manuelle Schritte). In 30 Tagen kann mindestens ein Kernprozess deutlich stabiler und schneller werden.

Wenn im Q1 schnell messbare Entlastung entstehen soll, ist ein strukturierter Start der beste Hebel:

  • ein Quick Check, der den richtigen Prozess identifiziert, Scope und Regeln festlegt und daraus 30-Tage-Quick-Wins ableitet.

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